Internationale Algorithmen in der Ersten Hilfe retten Leben

Beitragsbild zum Gastbeitrag von Stephan Kühnis zum Thema Betriebssanitä

Erste Hilfe kennt keine Grenzen. Das zeigte sich auch, als eine Betriebssanitäterin aus der Schweiz an einem Weihnachtsbaumverkauf in Deutschland dabei half, einem Mann das Leben zu retten. Ihre Geschichte beweist: Dank internationalen Algorithmen können Blaulichtorganisationen und Ersthelfer – auch aus unterschiedlichen Ländern – optimal zusammenarbeiten.

Es war ein schöner, sonniger Wintervormittag Ende 2019. «Ich freute mich darauf, mich wieder einmal an meinem alten Heimatort Singen (Deutschland) mit Kollegen der verschiedenen Blaulichtorganisationen zu treffen», erzählt Manuela Greco, Kursleiterin und Samariterlehrerin des SV Neuhausen am Rheinfall und beruflich Betriebssanitäterin. Geplant war eine gemeinsame Fahrt nach Konstanz zu einer Weiterbildung. Am Treffpunkt der Feuerwehr versammelten sich die Teilnehmenden und plauderten fröhlich mit der dortigen Wehr. Sie hatte an diesem Tag ihren Weihnachtsbaumverkauf.

«Plötzlich hörte ich sehr verzweifelte Schreie», erzählt Manuela Greco. «Während dem Hinrennen zum Unglücksort zog ich meine Jacke aus und warf meine Handtasche einem verdutzten Feuerwehrmann in die Hände. Zwischen den aufgereihten Weihnachtsbäumen lag ein Mann, der nach Aussagen der Umstehenden wie vom Blitz getroffen zwischen die Bäume gestürzt war.» Ihr war nach kurzer Überprüfung klar, dass es sich um einen Kreislaufstillstand handelt. Michael Münzer, ein früherer Ausbilder von Manuela Greco, war ebenfalls vor Ort und gab den Auftrag, den Defibrillator (AED) aus der Feuerwehr zu besorgen. Als aktiver Feuerwehrmann kannte er sich dort örtlich gut aus. «Ohne grosse Worte begannen wir sofort mit den Reanimationsmassnahmen», erzählt Manuela Greco. «Rasch kamen zwei Feuerwehroffiziere zu Hilfe. Die Feuerwehrmänner begannen mit der Herzdruckmassage, Michael Münzer übernahm die Beutelbeatmung und ich den AED. Während der Reanimation führte ich nochmals einen Patientencheck durch und organisierte den Zugang zum Schadenplatz.»

Anstrengender Einsatz und erlösende Nachricht

Es war für die Feuerwehrkollegen die erste Reanimation. Plötzlich kam bei Helfern und Zuschauern Freude auf. «Der Patient lebte, atmete – aber Michael und mir war klar, dass dies die klassische Schnappatmung ist, die mit einer suffizienten (ausreichenden) Atmung verwechselt werden kann», erzählt Manuela Greco. «Auf unseren Befehl, weiterzumachen, wurde weiter reanimiert und die Freude war weg. Doch kurz nach der ersten Schockabgabe mit dem Defibrillator zeigten sich beim Patienten Lebenszeichen und er begann sich zu regen und selbstständig zu atmen. Fast im gleichen Moment traf der ersehnte Rettungswagen am Einsatzort ein.»

Für alle war der Einsatz sehr anstrengend – emotional und körperlich, sagt Manuela Greco. Am Nachmittag erfuhren die Ersthelfer, dass der Patient lebt und im Krankenhaus weiter versorgt werden konnte. Abends gab es ein Gespräch mit einem Einsatzkräfte-Nachsorgeteam, Feuerwehrkollegen und den beteiligten Helfern. «Der Tag hatte sonnig begonnen», resümiert Manuela Greco. «Und er ging auch sonnig zu Ende.» Dem Mann ging es rasch wieder gut. Er hatte bereits Weihnachten im Kreis seiner Familie verbringen können.

Internationale Algorithmen helfen den Ersthelfern

«Für mich war es toll zu erleben, wir ruhig alles ablief, trotz der Dramatik der Situation», sagt Manuela Greco. «Es ist wichtig, dass die Bevölkerung und alle Interventionskräfte in Erster Hilfe aus- und weitergebildet werden. Dafür sind Algorithmen wichtig, damit alle den gleichen Wissensstand haben und dadurch verschiedene Blaulichtorganisationen, auch aus unterschiedlichen Ländern, optimal zusammenarbeiten können.»

Übrigens: Für diesen Einsatz wurde Manuela Greco mit dem SVBS AWARD 2019 ausgezeichnet.

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